Migräne und Verhütung

Kurz erklärt

Welche Verhütung bei Migräne infrage kommt, hängt insbesondere davon ab, ob eine Migräne mit oder ohne Aura vorliegt. Bei Migräne mit Aura sind kombinierte hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogen aufgrund des erhöhten Schlaganfallrisikos nicht geeignet. Bei Migräne ohne Aura können sie unter bestimmten Voraussetzungen infrage kommen.

Neben hormonellen Methoden gibt es auch hormonfreie Verhütungsmöglichkeiten wie Kondome, die Kupferspirale oder das Diaphragma. Welche Methode geeignet ist, hängt von der Migräneform, weiteren gesundheitlichen Faktoren und den persönlichen Bedürfnissen ab.

Migräne mit und ohne Aura: Was ist der Unterschied?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die häufig mit wiederkehrenden Kopfschmerzattacken, Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit einhergeht.

Bei Migräne ohne Aura treten keine für eine Aura typischen neurologischen Symptome auf.

Bei Migräne mit Aura können vor oder während einer Attacke vorübergehende Beschwerden wie Sehstörungen, Lichtblitze, Kribbeln oder Sprachstörungen auftreten. Eine Aura kann auch ohne anschließende Kopfschmerzen vorkommen.

Diese Unterscheidung ist wichtig: Migräne mit Aura ist mit einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall durch ein verschlossenes Blutgefäß verbunden. Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogen können dieses Risiko zusätzlich erhöhen. [2, 4]

Wichtig: Plötzlich auftretende Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen oder andere mögliche Schlaganfallsymptome erfordern sofortige medizinische Hilfe.

Können Hormone Migräne beeinflussen?

Hormonelle Schwankungen können Migräneattacken beeinflussen. Besonders Veränderungen des Östrogenspiegels spielen bei manchen Frauen eine Rolle.

Ein Beispiel ist die menstruelle Migräne, bei der Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit der Menstruation auftreten.

Auch hormonelle Verhütungsmittel können sich auf Migräne auswirken. Die Beschwerden können sich verbessern, verstärken oder unverändert bleiben. Wie eine Frau darauf reagiert, ist individuell unterschiedlich. [1]

Welche Verhütungsmethoden kommen bei Migräne infrage?

Bei Migräne kommen verschiedene Verhütungsmethoden infrage. Welche medizinischen Einschränkungen bestehen, hängt insbesondere davon ab, ob eine Migräne mit oder ohne Aura vorliegt.

Kombinierte hormonelle Verhütung

Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel enthalten ein Östrogen und ein Gestagen. Dazu gehören die kombinierte Antibabypille, der Vaginalring und das Verhütungspflaster.

Bei Migräne mit Aura sind diese Methoden aufgrund des erhöhten Schlaganfallrisikos nicht geeignet.

Bei Migräne ohne Aura können sie unter bestimmten Voraussetzungen infrage kommen. Zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen oder Bluthochdruck müssen dabei berücksichtigt werden. [3, 4]

Verhütung nur mit Gestagen

Rein gestagenhaltige Verhütungsmittel enthalten kein Östrogen. Beispiele sind die Minipille, das Verhütungsimplantat und die Hormonspirale.

Diese Methoden können grundsätzlich auch bei Migräne mit Aura infrage kommen. Ob sie geeignet sind, hängt jedoch von weiteren gesundheitlichen Faktoren und möglichen Gegenanzeigen ab. [3]

Hormonfreie Verhütung bei Migräne

Hormonfreie Verhütungsmethoden enthalten weder Östrogen noch Gestagen. Dazu gehören Kondome, das Diaphragma und die Kupferspirale.

Sie führen dem Körper keine zusätzlichen Verhütungshormone zu. Die Methoden unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Anwendung, Verhütungssicherheit und möglicher Einschränkungen.

Mehr über hormonfreie Verhütung und ihren Zusammenhang mit Sexualität und Körpergefühl erfährst du in unserem Beitrag „Verhütung ohne Hormone: Einfluss auf Libido, Sexualität und Körpergefühl“.

Auch Medikamente zur Migränevorbeugung können bei der Verhütungswahl eine Rolle spielen. Für den Wirkstoff Topiramat gelten besondere Sicherheitsvorgaben, da seine Anwendung während der Schwangerschaft mit erheblichen Risiken für das ungeborene Kind verbunden ist. Während der Behandlung und für mindestens vier Wochen danach ist eine hochwirksame Verhütung erforderlich. Welche Methoden die geltenden Anforderungen erfüllen, sollte ärztlich geklärt werden. [5]

Das Diaphragma als hormonfreie Verhütungsmethode bei Migräne

Das Diaphragma ist eine hormonfreie Barrieremethode, die vor dem Geschlechtsverkehr in die Vagina eingeführt wird. Es bedeckt den Muttermund und bildet zusammen mit einem Diaphragma Gel eine Barriere gegen Spermien.

Da das Diaphragma ohne Verhütungshormone funktioniert, unterdrückt es den Eisprung nicht. Es wird bei Bedarf angewendet und ist wiederverwendbar.

Die Anwendung des Diaphragmas erfolgt unabhängig von der Migräneform. Maßgeblich sind die jeweilige Gebrauchsanweisung sowie mögliche individuelle Einschränkungen.

Ausführliche Informationen zur Anwendung findest du unter „Wie funktioniert das Diaphragma?“.

Weitere Informationen zur Verhütungssicherheit bietet unser Beitrag „Wie sicher ist ein Diaphragma? Wirksamkeit und Anwendung einfach erklärt“.

Häufige Fragen (FAQ) zu Migräne und Verhütung

Fazit

Bei der Wahl der Verhütung ist die Unterscheidung zwischen Migräne mit und ohne Aura besonders wichtig. Während kombinierte östrogenhaltige Verhütungsmittel bei Migräne mit Aura nicht geeignet sind, stehen andere hormonelle und hormonfreie Methoden zur Verfügung.

Das Diaphragma gehört zu den hormonfreien Barrieremethoden und wird bei Bedarf angewendet. Welche Verhütungsmethode infrage kommt, hängt von den gesundheitlichen Voraussetzungen und persönlichen Bedürfnissen ab.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Kein Verhütungsmittel bietet einen hundertprozentigen Schutz vor einer Schwangerschaft. Das Diaphragma schützt nicht zuverlässig vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI).

Wissenschaftliche Quellen

Autor Pavitra Purohit

Pavitra Purohit ist Wissenschaftliche Produktmanagerin bei Kessel Medintim GmbH. Ihre Expertise umfasst medizinische Forschung, Forschung und Entwicklung (F&E), Medizintechnik sowie die wissenschaftliche Begleitung innovativer Medizinprodukte. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Frauengesundheit, insbesondere Diaphragmen und nicht-hormonellen Verhütungsmethoden. Sie verbindet wissenschaftliche Expertise mit evidenzbasierter Healthcare-Kommunikation, um fundierte und verständliche Informationen zu Diaphragmen, nicht-hormoneller Verhütung und Frauengesundheit bereitzustellen.

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