Stillen und Verhütung

Kurz erklärt

Stillen kann die Fruchtbarkeit nach der Geburt beeinflussen. Ein zuverlässiger Empfängnisschutz besteht während der Stillzeit jedoch nicht automatisch.

Die S3-Leitlinie „Stilldauer und Interventionen zur Stillförderung“ gibt evidenzbasierte Empfehlungen zur Stilldauer für reifgeborene Kinder. Verhütung nach der Geburt ist nicht Gegenstand dieser Leitlinie. Die Empfehlungen zur Stilldauer lassen sich daher nicht auf die Dauer des Schutzes vor ungewollter Schwangerschaft übertragen.

Was empfiehlt die S3-Leitlinie zur Stilldauer?

Für reifgeborene Kinder formuliert die Leitlinie zwei zentrale Empfehlungen:

Empfehlung Dauer
Ausschließliches oder überwiegendes Stillen Bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat
Gesamtstilldauer Mindestens zwölf Monate

Die Empfehlungen bieten eine wissenschaftlich begründete Orientierung für die Beratung zur Stilldauer. Wie lange tatsächlich gestillt wird, hängt jedoch von individuellen Faktoren ab, darunter die gesundheitliche Situation von Mutter und Kind sowie persönliche Lebensumstände und Bedürfnisse.

Nicht jede Frau kann oder möchte stillen. Eine fachliche Beratung sollte deshalb informieren und eine selbstbestimmte Entscheidung unterstützen.

Was ändert die neue S3-Leitlinie an den bisherigen Empfehlungen zur Stilldauer?

Mit der neuen S3-Leitlinie gibt es in Deutschland erstmals eine evidenzbasierte Leitlinie zur Stilldauer. Sie soll für eine einheitliche, wissenschaftlich begründete Orientierung bei der Frage sorgen, wie lange Säuglinge gestillt werden sollten.

Neu sind vor allem die klareren Zeitangaben: Bisherige deutsche Empfehlungen sahen für das ausschließliche Stillen einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten vor. Wie lange insgesamt weitergestillt wird, sollten Mutter und Kind entscheiden. Die neue S3-Leitlinie empfiehlt dagegen, reifgeborene Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ausschließlich oder überwiegend zu stillen und insgesamt mindestens zwölf Monate zu stillen.

Damit werden die bisherigen Empfehlungen zur Stilldauer verändert und stärker an internationale Empfehlungen angeglichen. Für Mütter sind die Angaben jedoch als Orientierung zu verstehen. Wie lange tatsächlich gestillt wird, hängt weiterhin von der individuellen Situation von Mutter und Kind sowie den persönlichen Bedürfnissen ab.

Wie gut sind die Empfehlungen zur Stilldauer wissenschaftlich belegt?

Die Leitliniengruppe bewertet die wissenschaftliche Evidenz bei vielen untersuchten Gesundheitsfragen als niedrig oder sehr niedrig.

Ein großer Teil der Erkenntnisse stammt aus Beobachtungsstudien. Deshalb gilt: Ein beobachteter Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass Stillen die Ursache für den jeweiligen gesundheitlichen Effekt ist.

Kann Stillen als Verhütungsmethode genutzt werden?

Stillen allein bietet nicht automatisch Schutz vor ungewollter Schwangerschaft. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die sogenannte Laktationsamenorrhö-Methode (LAM) zeitlich begrenzt zur Verhütung genutzt werden.

Dafür müssen gleichzeitig drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Kind ist jünger als sechs Monate
  • Es wird ausschließlich oder nahezu ausschließlich und häufig, auch nachts, gestillt
  • Nach der Geburt ist noch keine Menstruationsblutung aufgetreten.

Sobald eine dieser Voraussetzungen nicht mehr erfüllt ist, sollte LAM nicht mehr als alleinige Verhütungsmethode genutzt werden.

Der erste Eisprung kann bereits vor der ersten Menstruationsblutung nach der Geburt auftreten. Eine Schwangerschaft ist deshalb auch vor der ersten Periode möglich.

Welche Verhütung kommt in der Stillzeit infrage?

Welche Verhütungsmethode nach der Geburt infrage kommt, hängt unter anderem vom Zeitpunkt nach der Geburt, der gesundheitlichen Situation und den persönlichen Präferenzen ab.

Wer nach der Geburt hormonfrei verhüten möchte, kann auch ein Diaphragma in Betracht ziehen. Ein Diaphragma wird immer in Kombination mit einem Diaphragma Gel angewendet und kann auch während der Stillzeit verwendet werden. Nach der Geburt kommt die Anwendung frühestens nach sechs Wochen infrage; zuvor sollte der korrekte Sitz fachkundig überprüft werden.

Mehr zum Thema:
Verhütung nach der Geburt – Stillen, Fruchtbarkeit und Diaphragma

Häufige Fragen (FAQ) zu Verhütung und Stilldauer

Fazit

Die neue S3-Leitlinie gibt Empfehlungen zur Stilldauer für reifgeborene Kinder. Diese Empfehlungen lassen sich jedoch nicht auf die Dauer des Empfängnisschutzes übertragen.

Wer nach der Geburt eine Schwangerschaft vermeiden möchte, sollte rechtzeitig eine individuell geeignete Verhütungsmethode wählen.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei der Anwendung eines Diaphragmas sind die jeweilige Gebrauchsanweisung sowie die dort genannten Gegenanzeigen und Anwendungshinweise zu beachten.

Autor Pavitra Purohit

Pavitra Purohit ist Wissenschaftliche Produktmanagerin bei Kessel Medintim GmbH. Ihre Expertise umfasst medizinische Forschung, Forschung und Entwicklung (F&E), Medizintechnik sowie die wissenschaftliche Begleitung innovativer Medizinprodukte. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Frauengesundheit, insbesondere Diaphragmen und nicht-hormonellen Verhütungsmethoden. Sie verbindet wissenschaftliche Expertise mit evidenzbasierter Healthcare-Kommunikation, um fundierte und verständliche Informationen zu Diaphragmen, nicht-hormoneller Verhütung und Frauengesundheit bereitzustellen.

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